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Ehe und Liebe

Es gibt wohl kaum einen anderen Aspekt des menschlichen Lebens, der die Menschen so bewegt wie die Liebe. Hauptsächlich erwarten Menschen von Liebesbeziehungen Sehnsucht, Zärtlichkeit, Fürsorge, Vertrauen und Toleranz. Die Gewichtung dieser Komponenten differiert allerdings in den einzelnen Stadien der Beziehung. In der Phase der Verliebtheit geht es vor allem um Leidenschaft, Sehnsucht und Zärtlichkeit. Danach geht es darum, ein Fundament für die Gründung einer stabilen Familie zu bilden. Vor allem später dann um Vertrauen, Toleranz und Fürsorge.

Der Ausspruch, dass eine Ehe mit leidenschaftlicher Liebe anfangen muss, gilt als Mythos. Leidenschaft ist das, was nur Leiden schafft, lautet ein Sprichwort. Zwar ist die Leidenschaft eine gute Voraussetzung für die Sexualität, die in einer Ehe auch von großer Bedeutung ist. Sexuelle Befriedigung allein hilft aber nur noch sehr wenig in einer Ehekrise. Die Ehe wird also nicht auf Grund der Unvernunft, die mit der Leidenschaft eng verbunden sei, sondern jedoch auf Grund der Räson aufgebaut. Den Bund der Ehe sollte man mit offenen Augen eingehen, man sollte „die rosa Brille“ abnehmen. Man müsste die Nachteile und die Fehler des Partners ganz vernünftig einsehen. Gerade an dem Grad der Akzeptanz der Mängel des anderen liegt die Dauer einer Ehe. 
„Und wo bleibt die Liebe?“ - kann jemand fragen. Doch, die bleibt. Gerade die Liebe bleibt und nicht die Verliebtheit! Denn „Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbitten, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit, sie trägt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles! Die Liebe hört niemals auf!“ (Korinther 13, 4-8a)

In diesem Abschnitt geht es darum, was das große und manchmal zweifelhafte Wort „Liebe“ im Alltag heißt. Zunächst gehört zur Liebe normale mitmenschliche Freundlichkeit und ein guter Umgang miteinander. Liebe bedenkt den geliebten Menschen immer mit und beharrt nicht auf den eigenen Vorteil, sie kann aber immer nur freiwillig gegeben werden, und sie verzeiht auch Verletzungen und ist nicht nachtragend. Liebe sucht die Wahrheit - auch wenn sie unangenehm ist, und sie kann sie auch ertragen, denn sie weiß um ihre feste Grundlage. Für ein Paar, dem seine Gestaltung des Alltags aus der Liebe heraus besonders wichtig ist, passen diese Sätze als Trauspruch gut.

Eine gelungene Ehe beruht auf Freundschaft. In diesem Zusammenhang ist Liebe das Bedürfnis, dem anderen Gutes zu tun, das Verlangen, dem Geliebten nahe zu sein, das warme Gefühl, wenn man dem Geliebten in die Augen schaut. Liebe heißt also Fürsorge, Wohlwollen, Verantwortung füreinander, innige Gemeinsamkeit. Wenn man zu all dem bereit ist, dann heißt es, dass man zur Ehe reif ist. Zu einer festen Ehe! Denn Ehe impliziert Sicherheit und Beständigkeit.
Die echte Liebe kommt mit der Zeit, wenn die Ehefrau ihrem Mann gegenüber Demut und der Ehemann seiner Frau gegenüber Respekt an den Tag legen. Dann werden die Familienbeziehungen still und glücklich. Eben aus diesem Grunde möchte man nur einmal im Leben heiraten!

 
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